Alle Tipps

Ratgeber · 8.11.2026 · 6 Min. Lesezeit

PRISCUS-Liste: Welche Medikamente im Alter heikel sind

Die PRISCUS-2.0-Liste nennt Wirkstoffe, die für Menschen über 65 potenziell ungeeignet sind. Was Angehörige wissen sollten – und wie Sie es beim Arzt ansprechen.

Fast jeder dritte Mensch über 65 nimmt fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig. Mit dem Alter arbeiten Nieren und Stoffwechsel langsamer – eine Dosis, die jahrelang gut vertragen wurde, kann plötzlich zu hoch sein. Die PRISCUS-Liste hilft, solche Risiken zu erkennen.

Wichtig: Bitte keine Medikamente auf eigene Faust absetzen. Nutzen Sie diese Informationen als Grundlage für ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.

Woher die Liste stammt

Die erste PRISCUS-Liste erschien 2010. Die überarbeitete Fassung PRISCUS 2.0 (2023) wurde unter Leitung von Prof. Dr. Petra Thürmann (Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie, Universität Witten/Herdecke) mit über 100 Fachleuten erarbeitet und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Sie umfasst rund 180 Wirkstoffe und nennt jeweils besser verträgliche Alternativen.

Quelle: Mann NK, Mathes T, Sönnichsen A, Pieper D, Klager E, Moussa M, Thürmann PA: Potentially inadequate medications in the elderly: PRISCUS 2.0. Dtsch Arztebl Int 2023; 120: 3–10. priscus2-0.de

Warum Ältere Medikamente anders vertragen

  • Die Nierenleistung sinkt ab 40 um etwa ein Prozent pro Jahr.
  • Wasser-, Muskel- und Fettanteil im Körper verändern sich.
  • Mehrere Medikamente gleichzeitig verstärken Nebenwirkungen.
  • Typische Folgen: Stürze, Schwindel, Verwirrtheit, Blutdruckabfall.

Häufige Wirkstoffgruppen auf der Liste

Eine Auswahl alltagsnaher Wirkstoffe (vollständige Liste: siehe Quelle):

Magenschutz (Protonenpumpenhemmer)

Omeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol

Nur kritisch: bei Einnahme länger als 8 Wochen

Mögliches Risiko: Knochenschwund, Vitamin-B12- und Magnesiummangel

Magnesiumhaltige Säurebinder

Magnesiumhydroxid

Nur kritisch: bei Einnahme länger als 4 Wochen

Mögliches Risiko: zu viel Magnesium im Blut, vor allem bei schwachen Nieren

Mittel gegen Übelkeit

Metoclopramid, Domperidon, Dimenhydrinat, Scopolamin, Alizaprid

Mögliches Risiko: Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen, Herzrhythmus

Darm-Mittel

Mebeverin, Loperamid

Nur kritisch: Loperamid: länger als 3 Tage oder mehr als 12 mg am Tag

Mögliches Risiko: Schwindel, Verstopfung, Verwirrtheit

Schmerz- und Rheumamittel (NSAR)

Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Indometacin, Etoricoxib, Celecoxib, Piroxicam, Acetylsalicylsäure

Nur kritisch: Ibuprofen: mehr als 3×400 mg am Tag oder länger als 1 Woche; ASS als Schmerzmittel (nicht die niedrige Herzschutz-Dosis)

Mögliches Risiko: Magenblutungen, Nierenschäden, Herzschwäche

Starke Schmerzmittel

Tramadol, Tilidin, Pethidin, Codein, Dihydrocodein

Mögliches Risiko: Sturzgefahr, Verwirrtheit, Verstopfung

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Zopiclon, Zolpidem, Diazepam, Lorazepam, Oxazepam, Alprazolam, Bromazepam, Lormetazepam, Temazepam, Flurazepam, Nitrazepam, Clobazam

Mögliches Risiko: Stürze, Gedächtnisprobleme, Gewöhnung

Ältere Allergie- und Schlafmittel (Antihistaminika)

Doxylamin, Diphenhydramin, Promethazin, Hydroxyzin, Clemastin, Dimetinden

Mögliches Risiko: Verwirrtheit, Mundtrockenheit, Harnverhalt, Stürze

Bestimmte Antidepressiva

Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin, Opipramol, Imipramin, Clomipramin, Paroxetin, Fluoxetin

Mögliches Risiko: Schwindel, Blutdruckabfall, Verwirrtheit, Herzrhythmus

Bestimmte Neuroleptika

Haloperidol, Olanzapin, Sulpirid, Levomepromazin, Chlorprothixen

Mögliches Risiko: Bewegungsstörungen, Stürze, erhöhtes Schlaganfallrisiko

Mittel bei Blasenschwäche

Oxybutynin, Tolterodin, Solifenacin, Trospium, Propiverin

Mögliches Risiko: Verwirrtheit, Gedächtnisprobleme, Verstopfung

Herz- und Blutdruckmittel

Digoxin, Digitoxin, Clonidin, Moxonidin, Doxazosin, Methyldopa, Spironolacton

Nur kritisch: Spironolacton: mehr als 25 mg am Tag

Mögliches Risiko: Schwindel, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen

Bestimmte Diabetes-Tabletten

Glibenclamid, Glimepirid, Pioglitazon

Mögliches Risiko: Unterzuckerung, Wassereinlagerungen

Muskelentspannende Mittel

Baclofen, Methocarbamol, Tizanidin

Mögliches Risiko: Schwäche, Schläfrigkeit, Stürze

Weitere Wirkstoffe

Theophyllin, Piracetam, Carbamazepin, Phenytoin, Amantadin, Biperiden, Ranitidin

Mögliches Risiko: Verwirrtheit, Schwindel, Wechselwirkungen

So sprechen Sie es beim Arzt an

  • „Ist dieses Medikament in der Dosis für ihr/sein Alter noch passend?"
  • „Wie lange soll das noch genommen werden?"
  • „Gibt es eine verträglichere Alternative nach der PRISCUS-Liste?"
  • „Kann etwas weggelassen werden?"

Kostenlose Broschüre

Die Bundesregierung bietet eine allgemeinverständliche Broschüre zur PRISCUS-Liste an – als PDF oder kostenlos per Post: Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 50 10 54, 18155 Rostock, oder per E-Mail an publikationen@bundesregierung.de.

So hilft FürsorgePilot

Wenn Sie in FürsorgePilot eine Medikamentenpackung fotografieren, prüfen wir den Wirkstoff gegen diese Auswahl und zeigen einen ruhigen Hinweis mit Quellenangabe – als Notiz für das nächste Arztgespräch, nicht als Behandlungsempfehlung.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Dank an den Afilio-Ratgeber (Ausgabe #51, Cornelia Stolze) für die Anregung.

Häufige Fragen

Was ist die PRISCUS-Liste?
Eine wissenschaftliche Liste von Wirkstoffen, die für Menschen ab 65 Jahren potenziell ungeeignet sind (PIM). Die aktuelle Fassung PRISCUS 2.0 wurde 2023 an der Universität Witten/Herdecke veröffentlicht und nennt auch verträglichere Alternativen.
Muss ein Medikament von der Liste abgesetzt werden?
Nein. Die Aufnahme bedeutet nur, dass besondere Vorsicht geboten ist. Setzen Sie nie eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie es mit Arzt oder Apotheke.
Wie oft sollten Medikamente im Alter überprüft werden?
Mindestens einmal im Jahr, außerdem nach jedem Krankenhausaufenthalt. Viele Apotheken bieten eine kostenlose Medikationsberatung an.

Kostenlos für pflegende Angehörige

Ihren Familien-Wochenplan kostenlos anlegen

Vorlagen helfen beim Start — mit FürsorgePilot planen Sie den Pflegealltag gemeinsam: Wer übernimmt wann welche Aufgabe, welche Termine stehen an und welche Medikamente sind fällig. In wenigen Minuten eingerichtet.

  • Wochenplan mit Tagesabschnitten
  • Aufgaben in der Familie verteilen
  • Medikamente einmal anlegen

Ohne Kosten · jederzeit kündbar · Daten bleiben privat in Ihrem Konto

Kostenlose Vorlagen ansehen

Weiterlesen

Was kostet häusliche Pflege – und was zahlt die Pflegekasse?